16. März 2011

KONZERT-REVIEW: The Decemberists – Antwerpen (Trix), 13.03.2011

Sympathische Folk-Könige

The Decemberists, Antwerpen, 2011

Es ist Sonntagabend im Nordosten der belgischen Stadt Antwerpen. An der Straße vor dem Musikzentrum Trix parken heute außergewöhnlich viele Autos mit deutschem Kennzeichen und auch in der Halle sind immer wieder Unterhaltungen auf Deutsch zu vernehmen. Der Grund ist einfach: Die Decemberists sind auf Europa-Tour – und haben Deutschland dabei schlicht ignoriert. Wer die Folkrocker aus Portland live erleben wollte, musste also ins benachbarte Belgien fahren. Ein Trip, den an diesem Abend niemand bereuen sollte.

Das “Trix” ist randvoll, als die Vorband Blind Pilot um 20.30 Uhr die Bühne betritt. Durch ihre musikalische wie optische Ähnlichkeit zu den Decemberists haben sie leichtes Spiel und können das Publikum mit ihren Folksongs begeistern. Kurz darauf knüpfen die Decemberists nahtlos daran an und starten die Show mit “Shiny”.

Zwei Stunden lang steht der Fünfer auf der Bühne und wird später noch von Sara Watkins ergänzt, die mit ihrer Geige viel zu einem gelungenen Konzertabend beiträgt. Die Decemberists sind gut drauf, besonders Sänger Colin Meloy erheitert das Publikum immer wieder mit seinen Ansagen.

Im Vordergrund steht dennoch die wunderbare Musik der Decemberists. Aus ihrem aktuellen Album “The King Is Dead” gibt es entsprechend viel zu hören (Highlights: Das großartige “Rox In The Box” und die Single “Down By The Water”, bei der statt Gillian Welch live Geigerin Sara die Zweitstimme übernimmt). Aber auch die alten Alben sind vertreten und es ist erstaunlich, wie gut sich Konzeptsongs wie “The Crane Wife 1 & 2” und “The Crane Wife 3” im Liveset machen.

Das ruhige und aufmerksame Publikum wird schließlich auch einbezogen und singt zunächst bei “16 Military Wives” mit (Colin fordert sogar den Lichttechniker zum Singen auf, doch dieser bleibt stumm). Beim “Mariner’s Revenge Song”, von den Decemberists mit einer wahnsinnigen Hingabe zelebriert, wird am Ende kollektiv der Schrei eines Menschen imitiert, der von einem Wal verschluckt wird. Nach diesem Einsatz sind Band und Publikum fast am Ende und mit “June Hymn” verabschieden sich die Decemberists endgültig. Einfach zu schade, dass sie mit dieser sympathischen Show derzeit nicht nach Deutschland kommen.

(Im Original erschienen bei triggerfish.de am 16. März 2011.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.