16. Juli 2019

KONZERT-REVIEW: The National, Frankfurt, 15. Juli 2019

Das erste von zwei Deutschland-Konzerten von The National gerät in der Frankfurter Jahrhunderthalle zum Triumphzug.

The National

Über zwei Stunden sind bereits vergangenen, als Matt Berninger zur ganz großen Geste ausholt. Der Frontmann von The National läuft, fast nebenbei den großartigen Song “Terrible Love” zum Besten gebend, los: Durch die tobende Menge in der Frankfurter Jahrhunderthalle, immer weiter, bis die Länge des Mikrofon-Kabels ihn ausbremst. Das passiert erst, als er bereits auf der Empore steht, wo die meisten Zuschauer das Konzert bisher gemütlich im Sitzen verfolgt hatten.

Doch jetzt hält es niemanden mehr auf den Plätzen und die Band hat auch den letzten Besucher in der Jahrhunderthalle für sich eingenommen.

Vorausgegangen ist ein intensives Konzert, das nach der talentierten Blues-Dame Adia Victoria um Punkt 21 Uhr beginnt. Die ersten beiden Songs “You Had Your Soul With You” und “Quiet Light” sind auch die Auftaktsongs vom aktuellen Album “I Am Easy To Find”. Recht schnell lösen sich The National aber davon und mischen auch ältere Stücke wie das umjubelte “Bloodbuzz Ohio” in die Setlist.

Bemerkenswert: Die Band steht die meiste Zeit über mit zehn Musikern auf der Bühne. Die Intimität, die ihre Musik auf Platte gerne mal ausstrahlt, leidet zwar etwas darunter. Dafür werten die beiden Background-Sängerinnen Gail Ann Dorsey und Mina Tindle, die auf der Bühne prominent platziert und wegen ihrer einfarbigen Kleider von Matt etwas uncharmant mit Ostereiern verglichen werden, den Sound auf.

Trotz der vielen Leute gehört die Bühne natürlich vor allem Matt Berninger. Ruhelos tigert der Sänger auch während seiner Pausen auf und ab, trinkt, versucht sich an witzigen Ansagen und wirkt im nächsten Moment doch wieder wie in Trance. Alleine seine Ausstrahlung hebt The National von vielen anderen Bands ab – so auch heute.

Die Setlist des Abends kann sich wahrlich sehen und hören lassen. Weil The National aber eben schon so viele starke Alben veröffentlicht haben, werden auch nach fast zweieinhalb Stunden einige Songs schmerzlich vermisst – um mit “Sorrow” und “Anyone’s Ghost” mal nur zwei zu nennen.

Aber auch so jagt ein Highlight das nächste. “This System Only Dreams In Total Darkness” ist einer dieser Über-Songs, der nicht umsonst bereits global herumgereicht wurde – von der FIFA-18-Playlist bis hin zu der von Ex-US-Präsident Barack Obama. Und in den Zugaben darf sich Matt vor allem bei “Mr. November” alles von der Seele brüllen.

Seinem Ausflug ins Publikum folgt der sehr emotionale Schlusspunkt: Bei “Vanderlyle Crybaby Geeks” kann er sich entspannt zurücklehnen, denn die gesamte Jahrhunderthalle übernimmt den Gesangspart für ihn. Und macht sich anschließend beseelt auf den Heimweg. Denn The National haben an diesem Abend eindrucksvoll untermauert, warum sie aktuell eine der stärksten Rockbands dieses Planeten sind.

Setlist:

01. You Had Your Soul With You
02. Quiet Light
03. The Pull Of You
04. Hey Rosey
05. Don’t Swallow The Cap
06. Sea Of Love
07. Bloodbuzz Ohio
08. Oblivions
09. So Far So Fast
10. Where Is Her Head
11. Green Gloves
12. This Is The Last Time
13. The Day I Die
14. Carin At The Liquor Store
15. The System Only Dreams in Total Darkness
16. I Am Easy To Find
17. Roman Holiday
18. Graceless
19. Fake Empire
20. Rylan
21. About Today
22. Not In Kansas
23. Mr. November
24. Terrible Love
25. Light Years
26. Vanderlyle Crybaby Geeks

 

Weitere Informationen über The National

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CD-Review “I Am Easy To Find” auf bleistiftrocker.de
CD-Review “Sleep Well Beast” auf bleistiftrocker.de

Foto: Graham Macindoe

 

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Tolle Band, tolle Setlist – klar, bei 8 veröffentlichen Alben kann man nicht alles spielen – allerdings, und das war ärgerlich: Sound auf der Empore für die JHH einfach nur schlecht (gegen Ende etwas besser).

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