Kaum Kartenverkäufe – Colos-Saal mit emotionalem Hilferuf der Live-Branche

„Die komplette Szene steuert möglicherweise auf die nächste Katastrophe zu.“ Diese dramatischen Worte stammen vom Colos-Saal in Aschaffenburg.

Konzert

Die Betreiber des Clubs haben am Mittwoch ein langes und emotionales Statement zur aktuellen Lage der Live-Branche veröffentlicht. Die riesige Nachfrage nach Tickets, die durch bunte Bilder in den (sozialen) Medien suggeriert würde, gelte demnach nur für Open-Air-Veranstaltungen. „Alle Indoor-Spielstätten, von den Liveclubs bis zu den Theatern, Hallen und Kleinkunstbühnen im ganzen Land berichten mehr oder weniger offen, dass es für ihre Hauptsaison ab Herbst kaum relevante Kartenvorverkäufe gibt“, heißt es. Das deckt sich mit dem, was Promoter*innen, Künstler*innen und Konzertveranstalter*innen gegenüber bleistiftrocker.de berichten.

Konzerte fallen aus verschiedenen Gründen aus

Deshalb werden aktuell Touren abgesagt, obwohl keine Corona-Regeln die Konzerte einschränken. Im Statement des Colos-Saal liest sich das so:

„Wer genau hinschaut wird feststellen, dass täglich überall im Land viele Einzelveranstaltungen und komplette Tourneen – ja sogar einzelne Festivals – für das Restjahr 2022 abgesagt werden, obwohl es zur Zeit keine schädlichen Veranstaltungsauflagen gibt. Es mehren sich die Stimmen, die nicht mehr wie üblich organisatorische Probleme oder Erkrankung als Absagegrund und Ausrede angeben, sondern offen und ehrlich kommunizieren, dass hauptsächlich wegen der Kaufzurückhaltung der Fans die Notbremse gezogen wird, um ein finanzielles Fiasko der Veranstaltungen zu vermeiden. Mutige Aussagen wenn man bedenkt, dass das Selbstwertgefühl von Künstler*ìnnen leiden muss, wenn ihre Kunst nicht gefragt zu sein scheint.“

Der Text erwähnt, dass Fans mit dem Kauf von Konzerttickets vorab in der Hand hätten, dass Touren tatsächlich stattfinden könnten – der Vorwurf geht allerdings in Richtung Politik, die mit der Ankündigung für neue Corona-Maßnahmen im Herbst für einen Einbruch des Vorverkaufs gesorgt habe. Als weitere Gründe für Absagen werden auch Engpässe bei Tour-Crews, Long-Covid-Erkrankungen bei Künstler*innen und der Brexit genannt.

Corona als „allgemeines Risiko“ – und alles ist gut?

Die Lösung laut Colos-Saal: Experten und Politik sollten irgendwann mehrheitlich und guten Gewissens das Virus als allgemeines Lebensrisiko bewerten. Allerdings dürften sich Vorerkrankte einen Indoor-Konzertbesuch zweimal überlegen, ganz egal, wie die Politik nun die Corona-Pandemie einschätzt. Bei einer hohen Rate an Long-Covid-Fällen dürften den Clubs ebenfalls zahlreiche potenzielle Besucher*innen wegbrechen – auf beide Aspekte geht der Text nicht ein. Zudem machen in den Kommentaren viele Menschen zu Recht noch mal explizit darauf aufmerksam, dass viele wegen der angespannten finanziellen Lage beim Kauf von Konzerttickets zurückhaltender seien.

Das gesamte sehr lesenswerte Statement des Colos-Saal gibt es hier:

Fotoquelle: Pixabay