In eigener Sache: Zur Kommunikation rund um Sarah Engels beim ESC

Im Zuge meiner Arbeit als Journalistin beim Eurovision Song Contest 2026 ist es in Wien zu einigen Unstimmigkeiten mit dem Kommunikationsteam rund um Sarah Engels gekommen, die schließlich eskaliert sind. Dabei habe auch ich leider einen Fehler gemacht. Das hier ist passiert.

Sarah Engels, Eurovision Song Contest 2026, Deutschland

Von Sonja Riegel, bleistiftrocker.de

Es gab in der ESC-Woche am Montagabend im Pressezentrum ein Interview von Sarah Engels mit dem Podcast „Merci, Chérie“, an dem ich auch beteiligt bin. Marco stellte ihr Fragen, ich habe das Gespräch gefilmt und als Kollaboration auf die Youtube-Kanäle von bleistiftrocker.de und „Merci, Chérie“ gestellt. Außerdem habe ich Fragen-Antwort-Snippets daraus auch auf unseren anderen Social-Kanälen geteilt, wie ich das üblicherweise bei ESC-Interviews mache. In einem davon antwortete Sarah auf Marcos Frage, wie feministisch sie sei, zunächst mit dem Satz „Feministisch würde ich nicht sagen, weil ich habe einen ganz tollen Mann und ich mag auch Männer“, bevor sie über den Inhalt ihres aktuellen Albums sprach.

 

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Der Satz über Feminismus wurde von Medien und von Online-Creatorn aufgegriffen, zitiert und kritisiert. Wenige Minuten vor Beginn des zweiten Halbfinals am Donnerstag klingelte dann auf einmal mein Handy Sturm. Sarahs Management wollte, dass ich die Videos mit der Aussage von meinen Seiten entferne. Dabei kamen sinngemäß auch Vorwürfe auf, ich würde mit meiner Arbeit negative Berichterstattung auslösen und den Erfolg des deutschen Acts gefährden.

Zudem kam auf einmal auch mein Video zur Südafrika-Sache zur Sprache. Damals hatte Sarah mit einheimischen Schulkindern ihren ESC-Song promotet, dafür viel Kritik bekommen (u.a. wegen White Saviorism und der unverpixelten Darstellung der Kinder) und mir auf meine Nachfrage beim Eurovision in Concert in Amsterdam im April nur eine ausweichende Antwort gegeben, die dann auch an vielen Stellen zitiert wurde. Was das mit der Feminismus-Aussage zu tun hatte, weiß ich nicht. Ich hatte den Eindruck, dass man deshalb ein persönliches Problem mit mir hatte und Druck auf mich ausüben wollte, anstatt den Anlass der Kritik bei sich selbst zu suchen und die Sache ggf. mit einem kurzen Statement selbst klarzustellen.

 

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Natürlich habe ich darauf verwiesen, dass es die Aussagen selbst waren, die diese breite Berichterstattung ausgelöst haben. Marco und ich hatten einfach nur unsere Arbeit gemacht und Fragen gestellt. Diese sind in den Videos ja zu hören und hatten keinesfalls die Absicht, Sarah bloßzustellen. Die Unterstellung, einem deutschen Act beim ESC schaden zu wollen, ist absurd – warum sollte ich als Journalistin einem Act helfen oder schaden wollen? Das ist gar nicht meine Aufgabe und ein wirklich fragwürdiges Presseverständnis von Seiten des Managements. Ganz abgesehen davon waren bei beiden Interviews Personen aus dem Kommunikationsteam anwesend und haben nichts beanstandet.

Alles in allem habe ich das Telefonat am Halbfinal-Donnerstag als durchaus einschüchternd wahrgenommen und daraufhin zugestimmt, die Videos offline zu stellen und das Interview im Podcast einzukürzen. Das war ein Fehler. Das bereue ich im Nachhinein, aber ich hatte zu dem Zeitpunkt leider nicht die zeitlichen und mentalen Ressourcen, mich noch mehr potenziellen Anschuldigungen des Managements auszusetzen. Ich hätte trotzdem stärker bleiben und das Entgegenkommen verweigern müssen. Das Thema war ohnehin durch zahlreiche Artikel, Remixe oder schlicht geklaute Kopien des Clips in der Welt, das muss auch Sarahs Team bewusst gewesen sein. Ich weiß also auch nicht, was sie außer einem persönlichen Angriff gegen mich davon hatten, dass ich die Videos runtergenommen habe.

Jedenfalls sollte es nach dem ESC-Finale am Samstag die übliche Presserunde mit dem deutschen Act geben. Mir war zuvor mehrfach vom deutschen Presseteam, mit dem die Kommunikation in der ESC-Zeit eigentlich gut war, mündlich zugesagt worden, dass ich an der Runde teilnehmen könne – samt Instruktionen, wo sie stattfinden würde. Als es soweit war, fanden sich die deutschen Medienvertreter in einer Interviewkabine zusammen. Während wir dort auf Sarah warteten, wurde ich herausgerufen und mir wurde mitgeteilt, dass die Runde ohne mich stattfinden würde.

Wie ich später erfahren habe, war dies eine Entscheidung von Sarah und ihrem Management. Sie wollte nach dem mäßigen Abschneiden nur mit ausgewählten Medien sprechen und das deutsche Presseteam bekam dann den Druck, mich aus der Runde zu entfernen. Dass andere Medien, die Sarah auch nicht benannt hatte, trotzdem im Raum waren und teilnehmen durften, war offenbar ein Fehler, der erst später aufgefallen ist und dann nicht mehr korrigiert wurde. Die Demütigung, vor allen anderen aus der Runde geschmissen zu werden, galt somit alleine mir – ganz davon abgesehen, dass ich dadurch auch keine O-Töne bekommen habe. Das deutsche Presseteam hat sich im Nachhinein bei mir für das Vorgehen entschuldigt und ich habe die Entschuldigung angenommen. Vom Management habe ich nichts mehr gehört.

Ich habe Verständnis dafür, dass alle Beteiligten beim ESC unter großem Druck stehen. Und auch dafür, dass ein Management seine Künstlerin schützt. Nicht aber dafür, dass dann in dieser Form Druck auf mich als Berichterstatterin ausgeübt wird, sei es am Telefon oder durch das Entfernen aus einer Journalistenrunde.

Die Videos mit der Feminismus-Aussage habe ich inzwischen wieder online gestellt und würde mich freuen, wenn da beim weiteren Zitieren auf die Originalquelle verwiesen wird, die leider für gut 48 Stunden verschwunden war. Sorry für meinen Fehler, auch an meine Kollegen von „Merci, Chérie“, wo das Interview nur eingekürzt gesendet wurde. Und vielen Dank an die seriösen Medien und die Online-Creators, die sowohl das Südafrika- als auch das Feminismus-Video mit Quellenangabe aufgegriffen und in respektvollem Ton besprochen haben. Ich glaube, dass beides generell gute Diskussionen angestoßen hat. Beleidigungen und Anfeindungen, die Sarah deshalb online auch erfahren musste, verurteile ich ausdrücklich.

 

 

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Foto: EBU / Alma Bengtson