So frauenfeindlich ist der Eurovision Song Contest

Der Eurovision Song Contest gilt als weltoffenes und vielfältiges Event. Eine Recherche zeigt nun aber, dass rund um den Wettbewerb Frauen benachteiligt und abgewertet werden.

Go-Jo, Australien, Eurovision Song Contest 2025

Männer dürfen oberkörperfrei auf der ESC-Bühne stehen. Frauen nicht. Das ist nur eines von vielen Beispielen dafür, dass für Frauen beim Eurovision Song Contest andere Standards gelten als für Männer. Im vergangenen Jahr mussten Miriana Conte aus Malta und Erika Vikman aus Finnland ihre Auftritte deutlich entschärfen, während 2024 mehrere Männer sehr explizite Shows hinlegen durften.

Go-Jo (Foto) aus Australien steckte bei seiner Darbietung im zweiten Halbfinale 2025 dann eine alte Frau in einen Mixer und ließ sie als junge Frau wieder herauskommen. An diesem fragwürdigen Frauenbild schien sich rund um den ESC 2025 kaum jemand zu stören – im Gegensatz zu den Interventionen bei Malta und Finnland griff die European Broadcasting Union (EBU) hier nicht ein.

Eurovision Song Contest mit deutlichem Männer-Überschuss

Auffallend ist außerdem der Männer-Überschuss vor allem abseits der Bühne. So waren in den Jahren 2024 und 2025 nach Berechnungen von bleistiftrocker.de rund 70 Prozent aller Personen, die in den Songwriting-Credits für Eurovision-Beiträge genannt wurden, männlich. Reine Männerteams, also solche, bei denen jeweils alle Acts auf der Bühne und alle Songschreiber Männer waren, gab es zu dieser Zeit 20. Dem steht ein einziges reines Frauenteam in diesen zwei Jahren gegenüber.

Zudem haben sich Männer in den Neunzigern mit dem „Barbara Dex Award“ einen frauenfeindlichen „Preis“ ausgedacht. Er wurde per Abstimmung von einer Fanseite für das schlechteste Outfit des ESC-Jahrgangs vergeben. Das wertete nicht nur Barbara Dex, die belgische Kandidaten von 1993, ab, sondern auch die mehrheitlich weiblichen Acts, die mit diesem misogynen Award bedacht wurden. Abgeschafft wurde der Award erst 2021 und die Fanseite, die 2016 die Abstimmung übernommen hatte, rühmt sich heute noch damit, diesen „Preis“ einst vergeben zu haben. Jene Fanseiten sind in jedem Jahr zahlreich im Medienzentrum vertreten und bestehen hauptsächlich aus Männern, was für ein Geschlechter-Ungleichgewicht in der Berichterstattung sorgt. Eine Berichterstattung, die leider noch häufig mit frauenfeindlichen Erzählungen arbeitet.

Ausführliche Recherche zu „Misogynie beim ESC“ bei Youtube

Diese und viele weitere Missstände hat sich bleistiftrocker.de-Chefredakteurin Sonja Riegel genauer angeschaut und dazu recherchiert. Die Ergebnisse dieser Recherche sind in diesem ausführlichen Video zu Misogynie beim Eurovision Song Contest dokumentiert:

 

Foto: Sarah-Louise Bennett / EBU

 

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