ALBUM-REVIEW: Sam Vance-Law – Goodbye

Für wie viele gute Pop-Songs und -Alben Liebeskummer schon verantwortlich war, wissen wir nicht. Aber Sam Vance-Law fügt dem mit „Goodbye“ eindeutig etwas hinzu.

Sam Vance-Law

Das Thema seines zweiten Longplayers ist so einfach wie traurig: Der in Deutschland lebende Kanadier ist nach seinem gefeierten Debüt „Homotopia“ von 2018 verlassen worden. Damals habe er noch die Geschichten anderer in seinen Songs verarbeitet. „Dieses Mal hatte ich keine andere Wahl, als meine eigene zu erzählen“, so der Sänger.

Die Richtung von „Goodbye“ ist also klar, bevor man überhaupt den ersten Ton gehört hat. Und genau diese Melancholie, den traurige Rückblick und den Versuch des Weitermachens gibt es dann auch zu hören. Da wird auch mal zu so großen Metaphern wie Ikarus gegriffen. „Go make your great mistake“, ruft Sam Vance-Law seinem Verflossenen noch bittersüß hinterher.

Zwischen Trauer und Blick in die Zukunft

„Someone Else“ ist dagegen einer der Tracks, der ohne jede Metapher auskommt, aber einen schönen Chorsound aufbieten kann. Meistens hört man aber auch innerhalb der Songs die Zerrissenheit des Verlassenen, irgendwo zwischen Trauer und Blick in die Zukunft. Da wird aus „I want you, I need you“ innerhalb von kürzester Zeit auch mal die deutliche Aufforderung „Get the fuck out“. Und auch das sanft von Chor und Bläsern unterlegte Selbstmitleid auf „No Love“ gesteht man ihm sofort zu.

Im Vergleich zum Vorgänger ist „Goodbye“ nicht mehr die gewollt schwule Popshow, sondern ein verletzliches und sehr privates Werk. Man hört Sam Vance-Law quasi beim Verarbeiten seiner Situation zu, man leidet mit und man will ihm auch einfach mal den Alkohol aus der Hand nehmen, wenn er seinen Verdrängungsmechanismus bei „Been Drinking“ anwirft.

Musikalisch geht es insgesamt eher sanft zu, als würden die Instrumente dem 34-Jährigen bloß nicht zusätzlich wehtun wollen. Die Geschichten und Erzählungen stehen im Vordergrund. Der letzte Song „Thanks Again“, geschrieben übrigens mit Wallis Bird, ist dann erstaunlich versöhnlich und man hat am Ende trotz allem das Gefühl, dass „Goodbye“ als Gesamtwerk dann doch eine Art Abschluss gebildet hat. Und nach „Homotopia“ und der herrlichen NDW-EP „Eisbär“ hat uns Sam Vance-Law eine weitere starke Facette von sich gezeigt.

 

Albuminfos Sam Vance-Law – Goodbye

Sam Vance-Law - GoodbyeKünstler: Sam Vance-Law
Albumname: Goodbye
VÖ: 06.05.2022
Label: Virgin Music
samvancelaw.com

 

Fotos: Alexander Coggin

 

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