ESC-SPECIAL: Kalush Orchestra im Pressegespräch nach dem Sieg beim ESC 2022

Für die ESC-Sieger von Kalush Orchestra geht es zurück in die Ukraine. Zuvor hat Bandleader Oleh Psiuk der Presse einige Fragen beantwortet.

Kalush Orchestra

Der Sänger mit dem charakteristischen pinken Hut war am Sonntagabend digital zugeschaltet und bekam von einem Moderator ausgewählte Pressefragen gestellt. Die Antworten gab er wie gewohnt auf Ukrainisch, die dann auf Englisch übersetzt wurden.

Oleh Psiuk erzählte, nicht mal 24 Stunden nach dem Sieg beim Eurovision Song Contest 2022 in Turin sehr müde zu sein. „Die vergangenen Tage waren sehr voll und ich musste heute früh aufstehen“, sagte er. „Aber ich weiß, dass der Tag kommen wird, an wir viel Schlaf bekommen und glücklich sein werden – wenn der Krieg vorbei ist.“

Während der Show wirkte der 27-Jährige zwar ruhig – in ihm drin war das aber ganz anders, wie er nun zugab. „Mein Herz hat gepocht. Ja, ich war nervös“, sagte er über den ESC-Abend, an dem das Televoting ihm und seinen Mitstreitern den Sieg bescherte. „200 Millionen Menschen haben zugeschaut und die ganze Ukraine, das war eine große Verantwortung.“

Offizielles Musikvideo zu „Stefania“ veröffentlicht

Einer der Zuschauer war der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der bereits vor dem Start des großen ESC-Finals per Instagram-Post alle Europäer zum Voten für die Ukraine aufgerufen hatte. Direkten Kontakt hätte die Band mit dem Präsidenten nicht gehabt, so Oleh Psiuk. „Aber wir haben seine Posts gesehen.“ Durchaus überraschend wirkte dabei die Ankündigung Selenskyjs, der ESC 2023 solle in der aktuell so umkämpften und zerstörten Hafenstadt Mariupol stattfinden. „Wenn der Präsident sagt, dass es passiert, dann passiert es. Wir werden den ESC in einer wiederaufgebauten und glücklichen Ukraine ausrichten“, sagte Psiuk dazu.

Am Tag nach dem ESC-Finale nutzten Kalush Orchestra die Gelegenheit, besonders eindrücklich auf die Situation der Ukraine aufmerksam zu machen: Sie veröffentlichten das offizielle Musikvideo zum Siegersong „Stefania“, das in Bucha, Irpin, Borodyanka und Hostomel gedreht wurde. „Wir wollen allen zeigen, wie es gerade in der Ukraine ist.“ Innerhalb der ersten rund zehn Stunden konnte das Video bei Youtube bereits 3,5 Millionen Klicks einsammeln.

(Triggerwarnung: Kriegsbilder)

Kalush Orchestra will neue Musik veröffentlichen

Den Song „Stefania“ hatte der Musiker ursprünglich für seine Mutter geschrieben. Mit dem Krieg wurde er für viele auch aus anderen Gründen eine Hymne. „Er hat eine neue Bedeutung bekommen. Die Ukraine ist unsere Mutter.“

Doch wie geht es nun für Oleh Psiuk und seine Band weiter? „Wir werden bald einen neuen Song veröffentlichen“, sagte er auf Nachfrage von bleistiftrocker.de in der Presserunde.

Für die Bandmitglieder geht es nun natürlich auch zurück in die Ukraine – die Sondergenehmigung, mit der Kalush Orchestra und ihre Delegation in Sachen ESC 2022 in ganz Europa unterwegs waren, läuft zu Beginn der kommenden Woche aus. Eigentlich dürfen Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren das Land wegen der Generalmobilmachung aktuell nämlich nicht verlassen.

Für Psiuk ist die Rückkehr ein Grund zur Freude: „Ich habe mein Zuhause sehr vermisst. Ich kann es nicht erwarten, meine Familie und mein Heimatland zu sehen und den Fluss, der durch unsere Stadt fließt.“

Übrigens: Das deutsche Label Columbia Germany hatte schon vor dem ESC-Finale beschlossen, alle Netto-Erlöse aus den Streams und Klicks für „Stefania“ an humanitäre Zwecke zu spenden, die Kalush Orchestra ausgewählt haben.

Der Erfolg am Samstagabend war der dritte Sieg der Ukraine beim Eurovision Song Contest: 2004 war Ruslana mit „Wild Dances“ erfolgreich, 2016 Jamala mit „1944“. Dementsprechend hat das Land den ESC bislang zwei Mal ausgerichtet – 2005 und 2017 jeweils in der Hauptstadt Kyjiw.

 

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Foto: Oleksii Chychkan

 

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