3. September 2008

INTERVIEW: Martin Acosta von Outmatch

“Wir wollen immer besser werden”

Martin Acosta, Outmatch

Sonntagabend in Köln: Die kanadische Rockband Outmatch spielt im MTC. Doch der geplante Interviewtermin steht auf der Kippe. Zunächst hängt die Band auf ihrer Fahrt nach Köln im Stau fest, kommt dann gehetzt in das MTC und muss dort einen verkürzten Soundcheck hinlegen.

Aber so schnell lassen sich die Kanadier nicht aus dem Konzept bringen. Nach dem Soundcheck kommt Sänger Martin Acosta und fragt, ob ich das Interview nun machen möchte. Während oben schon die Vorband loslegt, rückt Martin in den Backstage-Katakomben solange Stühle, bis wir gemütlich sitzen. Trotz der Strapazen eines anstrengenden Tages wirkt er so kurz vor dem Auftritt erstaunlich gelassen. „Ich bin pflegeleicht“, sagt er lächelnd und das Interview kann beginnen.

Frage: Wir sind hier im MTC in Köln. Was, glaubst du, erwartet euch heute Abend?

Martin Acosta: Ich weiß es nicht. Aber es ist ein schöner Raum und hoffentlich sind Leute da. Es wird viel Spaß machen, ganz sicher.

Wie würdest du eure Band und eure Musik einem Fremden auf der Straße beschreiben?

Wir versuchen nur, die bestmöglichen Songs zu schreiben. Und wenn wir sie live spielen, versuchen wir, das so gut wie möglich zu tun. Wir zünden nichts an auf der Bühne oder so, wir spielen einfach gute Songs.

Ihr wart jetzt einige Wochen in Deutschland. Erzähl mir von euren Erlebnissen hier.

Es war der beste Sommer meines Lebens. Wir hatten so viel Spaß, großartige Nachbarn und tolle Shows. Wenn wir frei hatten, sind wir viel durch Europa gereist und haben viele coole Dinge gesehen, die wir vielleicht so nie wieder sehen können. Wir sind also richtig glücklich.

Ihr habt in Leverkusen gewohnt. Wie kam es dazu?

Die Miete war billig (lacht). Und wir wollten eine ruhige Bleibe, in der wir einfach nur entspannen konnten, wenn wir mal nicht arbeiten mussten.

Und Leverkusen war entspannend?

Ja. Es war eine sehr gute Wahl. Wir hatten ein tolles Apartment mit einem Volleyballfeld und auch einem Badmintonplatz im Hinterhof. Und wir konnten arbeiten und entspannen zugleich.

Die Frage hast du bestimmt schon oft gehört, aber ich stelle sie trotzdem: Warum heißt ihr ‘Outmatch’?

Weil wir immer besser werden wollen. Wir sind Perfektionisten und immer wenn wir etwas tun, wollen wir es besser machen als davor. Wir wollen uns selbst „outmatchen“, also übertreffen. Es ist aber nicht so, dass wir denken, wir seien besser als andere oder so.

Als ich euch im Februar auf eurer Tour gesehen habe, hattet ihr noch einen anderen Drummer dabei. Was ist passiert?

Unser alter Drummer Kyle hat sich entschieden, in Kanada zu bleiben. Er ist verheiratet und aus familiären Gründen konnte er auf dieser Tour nicht dabei sein. Jetzt haben wir John und mit ihm ist es großartig.

Und wer spielt die Drums auf der nächsten Tour?

Das wird wohl Johnny sein. Wir sind sehr glücklich mit ihm, aber man weiß ja nie (lacht). Outmatch werden trotzdem Outmatch bleiben.

Welche Musiker haben euch beeinflusst?

Wir mögen alle sehr verschiedene Musiker. John, der neue Drummer, steht auf Soul und Funk. Gitarrist Jay mag Led Zeppelin und die Beatles. Wir alle mögen die Beatles. Und Bassist Mike und ich hören Bands wie Oasis und Third Eye Blind, eben auch aktuellere Sachen. Wir haben also eine große Auswahl an Künstlern, die wir mögen.

Wie, glaubst du, äußert sich das in eurer Musik?

Ich glaube man kann Elemente aus unseren Einflüssen in allen Songs hören. Aber am Ende entsteht doch immer etwas, das unsere eigene Version davon ist. Aber man kann unsere Einflüsse auf jeden Fall hören, na klar.

Wie schreibt ihr eure Songs?

Das ist bei jedem Song unterschiedlich. Manchmal schreibe ich ganz alleine und bringe den fertigen Song mit zur Band. Manchmal schreiben wir als Band gemeinsam. Manchmal schreibt Jay alleine. Und manchmal schreiben wir zuerst die Musik und dann den Text, ein anderes Mal ist die Textidee aber auch zuerst da und dann die Musik. Wir nehmen uns einfach die besten Songs, woher sie auch immer kommen. Sie schweben in der Atmosphäre herum, wir picken sie uns heraus und behalten die besten.

Warum spielt ihr live so viele Coversongs?

Wir wollen immer Spaß haben, wenn wir spielen und das soll den Leuten genauso gehen. Und wir wissen, dass manche im Publikum uns vielleicht nicht kennen, weil wir gerade erst durchstarten. Also versuchen wir, sie durch die Coversongs mit einzubeziehen.

Und welchen spielst du am liebsten?

Auf dieser Tour haben wir sehr viel „Twist and Shout“ gespielt. Aber wir spielen auch so was wie „Wonderwall“ und „Faith“ von George Michael und noch einen Haufen anderer cooler Songs. Zum Beispiel auch „Sweet Home Alabama“. Mal sehen, was es heute Abend zu hören gibt.

Was ist der Unterschied zwischen deutschem und kanadischem Publikum? Gibt es überhaupt einen?

Ich glaube die Deutschen jubeln viel und singen mit. Sie haben sehr gerne Spaß. In Kanada hat man manchmal die Leute mit den verschränkten Armen, die stehen dann so da (verschränkt die Arme). Sie haben auch Spaß, sie zeigen es nur anders. Ich mag die deutschen Fans sehr. Wir hatten viele gute Reaktionen auf unserer Webseite und auch auf MySpace. Das macht uns wirklich sehr glücklich.

Erzähl mir ein bisschen was über die kanadische Musikszene. Gibt es mehr Rockbands wie euch?

Die kanadische Musikszene hat einen großen Anteil an der internationalen Musikszene. Bands wie Billy Talent, Nickelback, Default, Theory of a Dead Man, Sum 41, Simple Plan, die sind alle aus Kanada. Es ist wirklich eine großartige und lebendige Musikszene in Kanada und auch in Toronto, wo wir leben. Wir sind sehr froh, dass wir unsere Musik mit vielen Menschen in einem weit entfernten Land teilen können.

Und wenn du die Chance hättest, eine kanadische Band oder einen kanadischen Künstler zu empfehlen: Für wen würdest du dich entscheiden und warum?

Wow…eine kanadische Band oder einen Künstler, den ich empfehlen würde…(denkt nach)…hm…abgesehen von Outmatch natürlich (lacht)…nein, war nur Spaß. Also, ich glaube ich mag…wow, das ist schwierig. Ich meine wir haben Bryan Adams und so was…willst du jemanden der nicht bekannt ist? Oder einen bekannten?

Such dir einfach jemanden aus, den du magst.

Jordan Cook. Er ist ein guter Freund von uns und sehr talentiert.

Welche Art von Musik macht er?

Heavy Rock mit sehr coolen Gitarren.

Ihr fliegt nun wieder heim. Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Wenn wir zuhause sind, nehmen wir uns erstmal eine nötige und verdiente Auszeit, um für uns selbst an neuen Sachen zu arbeiten. Dann werden wir sehr bald ein neues Album schreiben. Du wirst also hoffentlich im nächsten Sommer ein neues Outmatch-Album hören.

Und im nächsten Sommer seid ihr dann auch wieder in Deutschland auf Tour?

Genau. Festivals und Clubauftritte in Deutschland zusammen mit dem Albumrelease.

Vielen Dank für das Interview.

(Im Original erschienen bei triggerfish.de am 03. September 2008.)