22. März 2018

FRAGEBOGEN: Xenia Beliayeva

Xenia Beliayeva

In der Rubrik „Fragebogen“ beantworten Künstler insgesamt 15 Fragen rund um das Thema Musik. Zudem erhalten sie eine weitere Aufgabe: Ein musikbezogenes Foto aufnehmen oder mit einem Bleistift etwas malen oder schreiben. Dieses Mal mit Xenia Beliayeva.

Erste CD: Habe “Diamond Life” von Sade aus dem Wohnzimmerschrank in mein Zimmer entführt.

Erstes Konzert: Guns N’ Roses mit Red Hot Chilli Peppers. Müngersdorfer Stadion / Köln

Früheste Kindheitserinnerung, die etwas mit Musik zu tun hat: Bin früher viel mit meiner Mutter Auto gefahren. Erinnere mich gerne daran, wie wir abends im Winter heim fuhren, Schnee fiel, ich eingewickelt in ihrem Pelz auf der Rückbank lag, sie zu ihren Kassetten mitsang und ich einschlief.

Aktueller Lieblingssong: Heute drei mal gehört. Morphine – The Night (Alternate Version)

Peinlichster Lieblingssong: Habe mich schon, seit ich die Fragen von diesem Interview überflogen habe, den ganzen Tag gefragt, was für ein Song es sein könnte. Mir fällt nichts ein, ich passe.

Eigener Lieblingssong: Oh, das variiert. Meistens sind es Sachen, an denen ich frisch arbeite. Satellite liegt mir sehr am Herzen.

Lieblingssongzeile: Habe letztens das neue und gleichnamige Album von Cigarettes After Sex gehört und fand “Your lips, my lips, apocalypse” aus dem Song “Apocalypse” grossartig. Toller Kuss. Find ich gut. Hätte ich auch gerne geschrieben. (Lach)

Bestes Konzert: Dieses Interview ist eine Herausforderung. (Lach) Habe schon als Kind Probleme mit Poesie-Alben gehabt. Lieblingsessen, Lieblingsfarbe, Lieblingstier…Ich mag so vieles. Die Welt ist bunt. Pick hier mal The Gossip im Molotow. Das war ein toller Abend. Alle waren nass geschwitzt, Kondenswasser tropfte von der Decke, Beth Ditto schrie sich die Seele aus dem Leib. Schöne Erinnerung.

Schlechtestes Konzert: Von technischen Fehlern, kranken oder schlecht gelaunten Künstlern abgesehen, gab es viele Abende, die mich nicht berührt haben. Wollen mal niemanden dissen.

Bestes eigenes Konzert: Mistica – Chapada Dos Guimarães / Brasilien. Es war meine dritte Brasilien – Tour, der letzte Gig davon. Lande abends in einem “Städtchen” namens Cuiaba. Wusste, dass ich auf einem kleinen Open-Air spiele. Der Fahrer holt mich ab, wir gehen essen, checken kurz im Hotel ein und fahren mit anderen DJ’s zur Location. Die “Jungs” sprechen kryptisches Englisch, ich gar kein Portugiesisch. Es wird freundlich genickt und geschmunzelt. Nach einer Stunde kommen wir an. Anstelle von einem kleinen Open-Air, befinde ich mich auf einer Riesenparty im Regenwald. Es war unglaublich schön. War noch nie auf so einer Party. Musste morgens spielen, hatte noch einige Stunden Zeit zum rumstromern. Dann ging es auf die Bühne. Dachte, ich fange erstmal mit einem Intro und meiner neuen Single Momentan an. Die Sonne ist aufgegangen, von der Bühne aus konnte ich einen Wasserfall sehen, den ich vorher im Dunklen nicht gesehen habe. Leute tanzen, unterhalten sich, alles entspannt und dann, beim Einsatz des Breaks fängt die erste Reihe zu schreien und pfeifen an. Zuerst habe ich es gar nicht bemerkt, pitchte gerade den nächsten Song. Dann schaue ich auf, mein Atem stockt und im gleichen Augenblick kommen Tränen. Das ging wie eine Welle durchs Publikum. So heftig, auf einmal war diese Energie da. Mich kannte doch keiner, aber am anderen Ende der Welt, im Wald, neben einem Wasserfall, dieser Moment.

Vinyl, CD oder mp3? Alles, wobei die CD bei mir den Geist aufgegeben hat. Habe einen Grossteil meiner Sammlung vor Jahren radikal zu Momox geschickt. Wertvolle CDs (Sammlerstücke) etc. sind bei Discogs und Amazon zum Verkauf gelistet und stehen in der Abstellkammer. Besitze noch zwei Wallets mit CDs, die ich aufgelegt habe, ein paar Sammlungen und Boxen, die wichtig sind und wo ich mich aus nostalgischen Gründen noch nicht trennen kann, plus meine eigenen Belegsexemplare.

Download oder Stream? Beides, beruflich und bei “Essentiellen Stücken” Download, ansonsten Stream.

Clubkonzert oder Festival? Auch beides, sind ganz andere Reize und Erlebnisse.

Drei Songs, die auf meinem Mixtape nicht fehlen dürfen: Hey, auf ein Mixtape passen locker 20 Songs! Aktuell würde ich auf jeden Fall “Says” von Niels Frahm nicht missen wollen.

Welches Album ich auf keinen Fall mit auf eine einsame Insel nehme: Tricky – Pre Millennium Tension. Weiss noch genau, als mein EX-Freund mit der CD ankam. “Hey Xeni, ich habe das neue Tricky Album gekauft, lass mal hören.” Mit jedem Song stieg meine Beklemmung. Ich bat ihn es auszumachen. Habe mich richtig unwohl gefühlt. Die CD habe ich mir trotzdem gekauft, weil ich mich damit beschäftigen wollte, was mir eigentlich so zugesetzt hat. Zumal ich Tricky echt gerne mochte. Seit 1996 habe ich weder die CD, noch irgendetwas neues von Tricky gehört. Jetzt, wo ich die Frage beantworte, habe ich das Album auf Spotify angemacht und finde es immer noch unerträglich. Respekt an Tricky, so eine Verknüpfung muss man erstmal hinbekommen. Es hört sich für mich wie das Kratzen von Kreide an der Tafel an.

Xenia Beliayeva

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