ALBUM-REVIEW: Madrugada – Chimes At Midnight

Eine halbe Ewigkeit nach dem letzten Album gibt es wieder neue Musik von Madrugada. Die macht das Comeback der Band endgültig rund.

Madrugada

14 Jahre. So lange ist es her, dass mit dem selstbetitelten Werk zuletzt auf Albumlänge von den Norwegern zu hören war. Damals unter traurigen Vorzeichen, denn im Sommer 2007 war Gitarrist und Gründungsmitglied Robert Buras verstorben. Da die Aufnahmen bereits im Gange waren, stellten Madrugada den Longplayer fertig, gingen noch mal auf Tour – und sagten dann goodbye.

Zehn Jahre später kündigte die Band ihr überraschendes Comeback an – mit allen noch verbliebenen Gründungsmitgliedern. Damit begann auch der lange Weg zum neuen Album „Chimes At Midnight“. Denn überstürzt haben Madrugada dabei wirklich nichts: Anfang 2019 gab es die ersten Konzerte, damals noch mit Schwerpunkt auf dem Debüt „Industrial Silence“ von 1999. Fragen nach neuer Musik wichen sie zunächst aus. Ausnahme: „Half-Light“, das sie für den Soundtrack des Films „Amundsen“ aufnahmen.

Wie wir jetzt wissen, ging es nach dem Tour-Jahr 2019 direkt in den Proberaum und neue Musik entstand. Die bekommen wir mit angemessener Corona-Verspätung in Etappen seit Herbst 2021 zu hören – und mit „Chimes At Midnight“ nun endlich auch komplett.

„Wir waren immer noch high vom Touren und nahmen diese Energie mit in die Aufnahmekabine“, beschreibt Bassist Frode Jacobsen. Allerdings ist „Chimes At Midnight“ kein zweites „Industrial Silence“ – muss es aber auch gar nicht sein. Madrugada sind reifer und auch die personelle Besetzung spielt eine Rolle. Für die Rock-Bretter in der frühen Bandgeschichte war Robert maßgeblich verantwortlich. An seiner Stelle sind inzwischen Christer Knutsen und Cato Salsa dabei, die sich deutlich weniger in den Vordergrund spielen.

Madrugada lassen sich auf den Songs des Albums deutlich Zeit, entwickeln sie bis hin zum Höhepunkt, alles wirkt wunderbar ausgetüftelt und ja, durchaus auch routiniert. In jedem der zahlreichen Fünf-Minuten-Songs wird man für das Zuhören belohnt, bestes Beispiel ist die erste Single „Nobody Loves You Like I Do“, die vom Gänsehaut-Gesang zu Beginn bis hin zum Instrumenten-Gewitter am Ende die Spannung immer aufrecht erhält.

Dass Madrugada uns vorab noch gar nicht die besten Songs vorgelegt haben, wird auch schnell klar. „Help Yourself To Me“ ist eine Liebesballade, eindringlich und in perfektem Zusammenspiel mit den sich zurücknehmende Instrumenten vorgetragen. Ein Track, der wunderbar zu Herzen geht und das Comeback dieser Band schon ganz alleine rechtfertigen würde.

Aber natürlich ist da noch mehr. „Call My Name“ zum Beispiel. „This winter has been very long, I’ve hardly ever seen anyone. But spring has come and everything’s new. Now I have been sleeping with you“, singt und schmachtet Sivert Höyem und schraubt sich mit seiner Stimme anschließend in ungeahnte Höhen, was den Song endgültig veredelt.

Überhaupt funktionieren die vermeintlich kitschigen Momente überraschend gut. „You Promised To Wait For Me“ droht zunächst, etwas ziellos unterwegs zu sein – und haut dann einen ergreifenden Refrain raus. Und auch die bittersüße Single „Dreams At Midnight“ – übrigens nicht der namensgebende Track des Albums – kann nicht nur mit Feuer-Videoclip, sondern auch auf dem Album überzeugen.

Wenn man „Chimes At Midnight“ eins vorwerfen will: Es ist vielleicht etwas zu lang geraten. Aber auch das verzeiht man Madrugada und freut sich einfach, dass die Band endlich wieder ein Album vorgelegt hat. Denn „Chimes At Midnight“ ist dennoch ein Triumph und ein Comeback, wie man es sich kaum besser hätte erträumen können. Willkommen zurück, Madrugada!

 

Albuminfos Madrugada – Chimes At Midnight

Madrugada - Chimes At MidnightKünstler: Madrugada
Albumname: Chimes At Midnight
VÖ: 28.01.2022
Label: Warner Music
madrugada.no

 

Fotos: Knut Aaserud und Promo

 

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