ALBUM-REVIEW: ABBA – Voyage

Eine 40 Jahre lange Wartezeit ist vorbei: ABBA haben mit „Voyage“ tatsächlich ein neues Album veröffentlicht. Und sind darauf ganz bei sich.

ABBA

Es ist ja nicht so, dass sich die Musikwelt seit der letzten Platte „The Visitors“ von 1981 nicht grundlegend gewandelt hätte. Aber na gut, Schallplatten sind wieder da, warum also nicht auch eine Band, die einst sehr viele davon verkauft hat?

Und das, was wir nach den drei Vorab-Singles geahnt haben, bestätigt sich auf „Voyage“ sehr schnell: ABBA sind sie selbst geblieben – wie auch immer sie das bei so langer Abstinenz geschafft haben. Natürlich sind die Stimmen von Agnetha und Anni-Frid etwas reifer geworden, aber das steht dem so eingängigen Pop sehr gut.

Das Gespür für Melodien hat das Quartett natürlich auch nicht verloren. Wobei hier ein bisschen geschummelt wurde, denn beispielsweise „Just A Notion“ stammt schon aus der Hochzeit der Band Ende der Siebziger, eine finale Studioversion plus Veröffentlichung gab es aber erst jetzt. Doch diese Hintertür gesteht man diesen Legenden gerne zu.

Auch in der Anordnung der zehn Songs machen sie natürlich nichts falsch. „I Still Have Faith In You“ leitet „Voyage“ ein und war nicht zufällig auch der Track, mit dem das spektakuläre Comeback vor einigen Wochen verkündet wurde. Der Song beginnt sanft, lässt sich (besonders für heutige Verhältnisse) unverschämt lange Zeit, bis er sich erstmals zum Refrain hochschraubt und haut dann eine unverwechselbare Hook raus.

Ein bisschen im Schatten stand der zweite Song, der direkt mit Ankündigung von „Voyage“ erschienen war: „Don’t Shut Me Down“ macht ebenfalls keine Experimente, führt die Stimmen der beiden Sängerinnen wunderbar zusammen und verdient sich den Stempel „Typisch ABBA“ im Handumdrehen.

Mitten ins Album wird dann einfach noch ein niedlicher Weihnachtssong gemogelt („Little Things“) und bei balladigen Tracks wie „I Can Be That Woman“ oder „Bumblebee“ kann man sich zurücklehnen und genießen, dass man da wirklich ein neues Album dieser großen Popband in den Ohren hat. Gekrönt wird es vom richtig coolen „Keep An Eye On Dan“, das sich von bedrohlichen Drums zu verspielten Synthies komplett auslebt.

Und irgendwann zum Schluss, während „Ode To Freedom“ dem Album ein pompöses und würdiges Ende bereitet, macht sich dann der Abschiedsschmerz breit. Denn live lassen ABBA ohnehin nur ihre Avatare auftreten und auf Albumlänge soll es das nun auch endgültig gewesen sein. Umso größer ist der Respekt davor, dass sie noch diesen Longplayer im Tank hatten. Oder, um es mit ihren Lyrics zu sagen: They have a story and it survived!

 

Albuminfos ABBA – Voyage

ABBA - VoyageKünstler*innen: ABBA
Albumname: Voyage
VÖ: 05.11.2021
Label: Universal Music
abbasite.com

 

Fotos: Baillie Walsh und Promo

 

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