INTERVIEW: Gjon’s Tears

Gjon’s Tears tritt beim Eurovision Song Contest 2021 in Rotterdam mit „Tout l’univers“ für die Schweiz an. Wir haben uns vorab per Skype mit dem Sänger unterhalten.

Gjon's Tears

Im Interview mit bleistiftrocker.de spricht Gjon’s Tears unter anderem über seine Arbeit ohne Management, sein Treffen mit Barbara Pravi und seine Lieblingsmusik außerhalb des Eurovision Song Contest.

bleistiftrocker.de: Du hast uns in unseren drei Fragen erzählt, dass „Tout l’uivers“ ursprünglich auf Englisch geschrieben wurde. Gibt es auch eine fertige Version auf Englisch?

Gjon’s Tears: Ja, es gibt auch eine englische Version. Als wir es der Jury präsentiert haben, haben wir ihr beide Versionen vorgespielt. Ich weiß aber nicht, ob ich sie jemals veröffentlichen werde. Ich bin wie ein Maler, ich mag es, wenn ein Projekt fertig ist und in der Galerie hängt und man es nicht noch mal anfasst. Wenn, dann mache ich es überlegt. Ich würde zum Beispiel gerne die allererste Version veröffentlichen – mit der knisternden Stimme, mit den nicht immer richtigen Tönen und einem ungefähren Text. Damit man den Prozess versteht, wie es angefangen hat.

Auf unsere Interview-Anfrage hast du selbst geantwortet und nicht etwa ein Management. Machst du alles alleine?

In meiner Mail-Signatur steht „Gjon’s Tears und Team“. Meine beste Freundin beantwortet meine Mails, denn sie weiß, dass ich darin nicht besonders gut bin. Manchmal mache ich es auch selbst, aber ich bevorzuge es, jemanden dafür zu haben. Aber sonst habe ich keinen Manager. Ich mag es, alleine zu arbeiten. Ich habe aber ein Label. Ich weiß, was ich machen und in welche Richtung ich gehen will. Deshalb will ich im Moment auch keinen Manager. In der Musikindustrie ist das aber eigentlich wichtig, denn er ist der Filter zwischen dir und den Menschen. Aber wenn der Manager seinen Posten verlässt, verlierst du alle Kontakte – alles, was du mit dieser Person aufgebaut hast. Ich habe schon so viele Versprechen bekommen, die nie eingelöst wurden. Deshalb ist es hart für mich, jemandem in der Musikindustrie zu vertrauen. Es braucht wirklich Zeit, sich von diesen toxischen Versprechungen zu erholen. Aber klar, wenn ich bekannter werden sollte, bräuchte ich auch mehr Menschen in meinem Team.

Du hast dich schon häufiger für alle sichtbar online mit der französischen ESC-Kandidatin Barbara Pravi ausgetauscht. Woher kommt eure Verbindung?

Als ich in Paris war, habe ich mit ihr gesprochen. Ich wollte sie treffen, denn im vergangenen Jahr hatte ich das Gefühl, dass sie in Frankreich meinen Song immer mit dem von Tom Leeb vergleichen wollten. Das mochte ich nicht, weil es unnötige Spannungen erzeugt. Und es ist komisch, denn er kennt mich nicht und ich kenne ihn nicht. Und das wollte ich mit dem französischen Act in diesem Jahr nicht haben, denn ich wusste, dass ich wieder auf Französisch singe und sie unsere Songs vergleichen würden. Und ich war mir sicher, dass Barbara Pravi gewinnen würde. Ich habe ihr eine Nachricht geschrieben, schon vor dem Vorentscheid: „Du wirst die Show gewinnen und vielleicht sogar auch den ESC.“ Ich war ein großer Fan von ihr und wollte sie unbedingt treffen.

Du arbeitest für deinen Auftritt mit Sacha Jean-Baptiste zusammen. Was kann sie zu deiner Performance beitragen, um die Message noch stärker rüberzubringen?

Sie ist sehr intelligent und zugleich sehr künstlerisch. Sie macht so viel auf einmal – mit Beleuchtung, Choreografie und Kameras. Sie kann alles, deshalb wollte ich unbedingt mit ihr arbeiten. Und ich habe mit ihr das Gefühl, komplett frei zu sein in dem, was ich tun möchte. Ich bin sehr glücklich und sehr aufgeregt, bald zeigen zu können, was wir vorbereitet haben.

Da es bei bleistiftrocker.de ja nicht nur um den Eurovision, sondern auch generell um Musik geht: Welche Künstler*innen oder Bands hörst du aktuell am liebsten?

Oh, das ist eine gute Frage. Im Moment höre ich viel Pop oder Elektro. Ich liebe Charlie XCX, auch ihre Produktionen. Und ich bin wahrscheinlich spät dran, aber gerade höre ich auch viel Dua Lipas letztes Album. Aber ich habe auch gerade Vic Chesnutt entdeckt, das ist sehr depressive Musik, nur er mit seiner Gitarre. Man hört so viel Schmerz in seiner Stimme. Und ansonsten höre ich immer Bach und werde auch immer Bach hören.

Und du hast neulich sogar einen Song von Elliott Smith in die Instagram-Stories des offiziellen Eurovision-Kanals gepackt, als du ihn für einen Tag bespielen durftest.

Bei ihm ist es wie bei Vic Chesnutt. Es gibt diese Künstler, die es verdient gehabt hätten, viel mehr beachtet zu werden. Ich liebe Elliott Smith, auch, weil ich Filme liebe. Und seine Musik kam bei „Good Will Hunting“ vor. Ich hatte ihn aber vor dem Film schon entdeckt.

 

Die Antworten von Gjon’s Tears auf unsere drei Standard-Fragen gibt es hier.

 

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Foto: SRF / Oscar Alessio

 

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