INTERVIEW: Sam Ryder

Sänger Sam Ryder („Space Man“) wird beim Eurovision Song Contest in Turin für Großbritannien antreten. Wir haben uns ausführlich mit ihm unterhalten.

Sam Ryder

Im Zoom-Interview mit bleistiftrocker.de spricht Sam Ryder unter anderem über seinen E-Scooter-Unfall in Madrid, seine große Followerschaft in den sozialen Medien, die Entstehung von „Space Man“ und die besondere Bedeutung einer grünen Lampe.

 

bleistiftrocker.de: Du hast nach der Pre-Party in Madrid online etwas von einem Unfall geschrieben. Was ist passiert?

Sam Ryder: Ich habe dort eine meiner „Green Lamp Sessions“ auf der Straße gespielt. Ich versuche in jeder Stadt, in der ich bin, sowas über Instagram anzukündigen und dann Menschen auf der Straße zu treffen. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Aber danach bin ich auf einen dieser E-Scooter gestiegen, die du mit deinem Smartphone scannst. Ich wollte zurück zum Hotel fahren. Es ging einen Berg hinunter und in eine sehr scharfe Kurve. Ich wollte bremsen, aber da war keine Bremse, als wäre nichts verbunden. Ich bin direkt in einen Metallpoller gefahren und habe mich im Nacken, an der Brust und am Knie verletzt. Ich habe überall Prellungen. Aber ich lächele, weil ich weiß, wieviel Glück ich gehabt habe, dass ich nicht beispielsweise mit dem Kopf aufgeschlagen bin. Es ist also alles in Ordnung. Und es war eine gute Lektion: Immer, wenn du auf einen solchen E-Scooter steigst, solltest du vorher die Bremsen checken.

Wie waren die Pre-Partys denn sonst für dich?

Amsterdam ist die größte Halle, in der die meisten von uns jemals gespielt haben. Das verwöhnt einen schon sehr. Denn für viele, die in diesem Jahr beim ESC sind, ist es das erste Mal, dass sie vor richtigen Zuschauern spielen. Und das Publikum ist so leidenschaftlich und freundlich, es gibt so viel Support mit den ganzen Fahnen, die geschwenkt werden. Sie haben jedem einzelnen Act das Gefühl gegeben, willkommen zu sein. Das war richtig cool. Und so waren alle Pre-Partys.

Das klingt, als wäre es auch für dich etwas Besonderes, vor Tausenden Menschen zu spielen. Obwohl du online Millionen von Followern hast.

Es ist etwas komplett anderes. Online ist die eine Sache, das ist so cool und ich bin dafür sehr dankbar. Ohne das würde ich nicht hier sitzen und mit dir sprechen. Aber es ist ein Unterschied und ein ganz anderes Gefühl, wenn du etwas machst, während Menschen im Raum sind. Es zündet dich richtig an und gibt dir Adrenalin. Diese Leute haben eine bewusste Entscheidung getroffen, das Haus zu verlassen und sich jemanden anzuschauen, der singt und performt. Darum geht es bei Livemusik, diese Emotion und diese Energie im Raum.

Kann dein TikTok-Fame dir beim Eurovision Song Contest trotzdem helfen?

Ich bin mir nicht sicher. Man muss bedenken, wie TikTok funktioniert. Die Inhalte, die du teilst, müssen dorthin passen. Wenn ich nur ein Video poste, in dem ich sage „Hey, wie gehts, bitte votet unter dieser Nummer für mich beim ESC!“ – diese Inhalte funktionieren auf TikTok nicht. Und es ist auch sehr seltsam, sowas zu machen, das will ich gar nicht. Wofür es aber mir und anderen Menschen mit vielen Followern hilfreich sein könnte: An irgendeinem Punkt könnten die Leute dich erkennen – „Oh, das ist der Typ, dem ich im Lockdown zugeschaut habe. Ich kann gar nicht glauben, dass er jetzt beim ESC ist!“. Das wäre sehr cool.

Um dich ist im Vorfeld des ESC 2022 ein Hype entstanden, was sehr ungewöhnlich für einen britischen Starter ist. Wie fühlt sich das an?

Das ist etwas Besonderes. Für mich geht es nicht um das Ergebnis. Da würde ich meine Beziehung zur Musik riskieren, die mir deutlich wichtiger ist als ein Punktesystem. Aber zugleich bedeutet es mir sehr viel, zu wissen, dass die Menschen zuhause aufgeregt sind und mich supporten.

Wie wurdest du denn ausgewählt, für Großbritannien zum Eurovision Song Contest zu fahren?

Ich habe den Song „Space Man“ vor anderthalb Jahren geschrieben. In dieser Zeit muss er irgendwie den Weg in den Posteingang der BBC gefunden haben. Ich habe nie davon geträumt oder nur daran gedacht, zum ESC zu fahren. Ich wollte „Space Man“ einfach als meine nächste Single veröffentlichen, das war geplant für Februar. Und ich habe einfach gehofft, dass es im Radio gespielt wird – einfach ein Song, der mich auf das nächste Level hebt. Im Januar klingelte dann mein Telefon: „Hey, wir haben deinen Song ‚Space Man‘ gehört.‘ Und ich habe gefragt: ‚Wer ist da?‘ – ‚Die BBC. Hast du Lust, beim Eurovision Song Contest zu singen?‘ In Großbritannien sind viele Künstler vorsichtig. Viele, die ich kenne, lieben den Eurovision. Aber es gibt eine Angst, dass man etwas riskiert, wenn man hinfährt. Aber bei mir ist der Enthusiasmus größer als meine Angst. Ich liebe die Musik und ich liebe es, wenn Songwriting zelebriert wird, was beim ESC getan wird. Und an diese Emotionen muss man seine Teilnahme knüpfen, nicht daran, dass man vielleicht null Punkte bekommen könnte. Das hast du selbst nicht in der Hand und es hat nichts mit deiner Liebe zur Musik zu tun.

Wie ist dein Song „Space Man“ genau entstanden?

Als Songwriter verbringst du deine Zeit meistens damit, Studios zu besuchen und mit Leuten zu schreiben, die du entweder bereits kennst oder gerade zum ersten Mal triffst. Das ist seltsam. Bei „Space Man“ waren es zwei Menschen, die ich noch nie zuvor getroffen hatte. Du sagst Hallo, setzt dich gemeinsam hin, trinkst vielleicht einen Tee und plötzlich spricht du über deine tiefsten Tiefen oder deine höchsten Höhen mit diesen komplett Fremden. Dinge, die du vielleicht nicht mal deinen Freunden oder deiner Familie erzählen würdest. Das ist wirklich ein spannender Job. Max Wolfgang und ich saßen also am Klavier, Amy Wadge war per Zoom dabei. Dann haben wir „Space Man“ innerhalb von zehn Minuten geschrieben. Es war ein wunderbar sonniger Tag in England und wir waren in einem Studio ohne Fenster. Vielleicht haben wir es so schnell geschrieben, weil wir unbedingt raus in die Sonne wollten.

Kannst du denn schon irgendwas von deinem Auftritt in Turin verraten? Wir erinnern uns alle an die riesengroßen Trompeten, die dein Vorgänger James Newman im vergangenen Jahr auf der Bühne hatte …

… Ich frage mich, wo diese großen Trompeten jetzt sind. Vielleicht sind sie in der ESC-Vorratskammer gelandet. Aber nein, ich werde dir nichts verraten, das musst du dir dann selbst anschauen.

Wird es dich denn auch mal auf Deutschland-Tour zu sehen geben?

Ja. Ich werde in Berlin, Köln, München und Hamburg spielen. Aber die genauen Daten habe ich noch nicht.

Was hat es mit der grünen Lampe auf sich, die du auf der Bühne und bei Gigs auf der Straße dabei hast?

In meinen Videos, die ich im Lockdown gemacht habe, stand ich immer an derselben Stelle in meinem Zimmer. Das habe ich getan, weil der Abstand zu den Lautsprechern genau gepasst hat, sodass ich zu den Songs singen konnte. Durch die Kameraperspektive war da immer eine grüne Lampe zu sehen. Die stand da eigentlich schon immer. Ich habe gar nicht weiter drüber nachgedacht, sie stand einfach im Hintergrund. Sie ist dann sowas wie ein inoffizielles Maskottchen der ganzen Sache geworden. Die grüne Lampe, die ich zu den Street-Sessions mitbringe, ist übrigens nicht die aus meinen Videos. Denn wenn man die echte anfasst, bekommt man einen fiesen elektrischen Schlag.

Nimmst du denn auch eine grüne Lampe nach Turin mit?

Ich weiß nicht, ob dafür in meinem Gepäck noch Platz ist. Aber mal sehen. Wir versuchen immer, dort eine aufzutreiben, wo wir gerade sind. Grüne Lampen sind aber gar nicht so einfach zu finden.

 

Die Antworten von Sam Ryder auf unsere drei Standard-Fragen gibt es hier.

 

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Foto: Parlophone Music

 

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