4. Mai 2021

KONZERT-REVIEW: Thees Uhlmann, Bremen, 03. Mai 2021

Nach über einem Jahr Pandemie sind wir längst über improvisierte Wohnzimmer-Konzerte hinaus. Thees Uhlmann im Stream aus dem Club 100 in Bremen ist jedenfalls eine wundervolles Gesamtwerk.

Thees Uhlmann

Eins vorab: Das Foto, das wir zu Promozwecken bekommen haben, ist natürlich nicht aktuell, sondern vor Corona entstanden. Beim eigentlichen knapp 90-minütigen Auftritt in Bremen ist kein Publikum anwesend, wohl aber die Konzertcrew des Künstlers sowie Mitarbeitende des Clubs, die ein schönes Konzerterlebnis für alle schaffen, die sich Tickets für den Stream gekauft haben.

“Fünf Jahre nicht gesungen” ist der logische Opener, nicht nur des Auftritts, sondern auch des Albums “Junkies und Scientologen” von 2019. Das steht natürlich auch an diesem Abend im Mittelpunkt und bestimmt dementsprechend die Setlist.

Das heißt aber nicht, dass es nicht auch abwechslungsreich zugeht. “& Jay-Z singt uns ein Lied” vom ersten Solo-Album des Tomte-Frontmanns ist recht früh dran, das brandneue “Club 27” von Benjamin von Stuckrad-Barre folgt. Die unterhaltsamen Ansagen zieht Thees Uhlmann knallhart durch, selbst ohne Publikum. Aber er spielt und singt sich auch wie gewohnt die Seele aus dem Leib, begleitet von den wunderbaren Simon Frontzek, Rudi Maier und Max Perner. Die vier Musiker stehen sich dabei gegenüber – auch optisch macht das alles viel her.



“Ich sang die ganze Zeit von dir” ist der einzige Tomte-Song des Abends. Über 15 Jahre hat er inzwischen auf dem Buckel, Uhlmann, ganz der Rock’n’Roller, singt ihn trotzdem noch immer voller Inbrunst. Mit “Liebeslied” von den Toten Hosen gibt es gar ein Cover, bevor ausgerechnet “Das Mädchen von Kasse 2” GHvC-Kompagnon Marcus Wiebusch gewidmet wird. “Ohne Applaus ist für mich kein Problem, die ersten acht Jahre von Tomte war es genauso”, hat Thees Uhlmann da schon lange festgestellt.

Mit “Avicii” und “Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf” gibt es dann noch zwei Hits aus der eigenen Schmiede, “Ein Satellit sendet leise” ist der bedächtige Rausschmeißer. Mit Publikum gäbe es tosenden Applaus und eine Zugabe, so ziehen sich die vier Musiker, die allen vor dem Stream einen schönen kleinen Konzertabend beschert haben, ihre Masken auf und schleichen davon.

“Bald haben wir den Kram überstanden”, ruft Uhlmann vorher noch ins Mikrofon. Und irgendwann wird es dann auch endlich wieder aussehen wie auf dem Promo-Foto.

 

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Foto: pertramer.at

 

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