ESC-SPECIAL: So lief der zweite Proben-Tag beim Eurovision Song Contest 2022

Am Sonntag haben weitere Acts aus dem ersten Halbfinale zum ersten Mal die Bühne des Eurovision Song Contest 2022 betreten. Wir geben einen Überblick über die Ereignisse des Tages in Turin.

Nachdem am ersten Probentag am Samstag neun Acts zunächst auf der Bühne standen und im Anschluss zum Meet & Greet mit der virtuell zugeschalteten Presse erschienen, gab es am Sonntag acht zu sehen – die zweite Hälfte des ersten Halbfinals. Auffällig dabei: Es gab nur weibliche Stimmen zu hören – und die zweier norwegischer Wölfe.

Wie bereits in unserer Zusammenfassung vom Samstag erwähnt darf die Presse dieses Mal nicht am Bildschirm der ersten Proberunde beiwohnen. Es gibt zu jedem Land einige Videoschnipsel auf dem offiziellen TikTok-Kanal des ESC sowie eine Bildergalerie. Warum es diese Änderung im Gegensatz zu 2021 gibt, ist übrigens nicht offiziell mitgeteilt worden. Es darf also munter spekuliert werden, ob die EBU damit die Künstler*innen bei ihren ersten Gehversuchen auf der großen Bühne schützen möchte, einfach auf mehr Profit durch mehr Exklusivität der Proben-Videos aus ist oder den Einfluss der Medien generell zurückdrängen will.

Beobachtungen zu den einzelnen Acts haben wir, natürlich auch durch die Presserunden, trotzdem sammeln können. Hier sind sie:

 

Maro (Portugal)

Maro, Eurovision Song Contest 2022

Das Team rund um die portugiesische Sängerin Maro ist gewachsen: Beim „Festival da Cancao“ hatte sie vier Kolleginnen mit auf der Bühne, nun sind sie insgesamt zu sechst. Außerdem sitzen sie nicht mehr auf Barhockern, sondern stehen – und das im Kreis. Wie die Kameras das genau einfangen werden, können wir leider noch nicht beurteilen, aber eine spannende Idee ist es allemal.

Die hat Maro im Anschluss näher ausgeführt: „Wir versuchen, es so intim wie möglich zu machen“, sagte sie in der Pressekonferenz. Außerdem verriet die Sängerin, welchen Tipp sie vom portugiesischen ESC-Sänger Salvador Sobral bekommen hat: „Er hat mir gesagt, dass ich es genießen soll.“

 

Mia Dimsic (Kroatien)

Mia Dimsic, Eurovision Song Contest 2022

Dass ihr Auftritt mit „Guilty Pleasure“ anders aussehen würde als beim Vorentscheid hatte Mia Dimsic bereits vorab im Interview mit bleistiftrocker.de angekündigt. Die Fotos ihrer ersten Probe zeigen nun, was sich auf jeden Fall geändert hat: Da wäre einmal ihr Dress – Mia Dimsic trägt ein rosafarbenes Kleid. Außerdem hat sie nicht mehr nur einen, sondern gleich drei Tänzer*innen mit sich auf der Bühne stehen.

„Wir schauen in meinen Traum, ich bin nicht richtig ein Teil davon“, erklärte sie die neue Bühnenshow. Einen Teil auf Kroatisch soll es im Track dann übrigens auch geben. Mia Dimsic hatte bereits vor einiger Zeit eine komplette kroatische Version von „Guilty Pleasure“ veröffentlicht.

 

REDDI (Dänemark)

REDDI, Eurovision Song Contest 2022

REDDI erlebten auf der Bühne in Turin eine (einkalkulierte) Enttäuschung: Im Gegensatz zum dänischen Vorentscheid können sie ihre Instrumente beim Eurovision Song Contest nämlich nicht live spielen. Selbst Sängerin Siggi gab später zu Protokoll, ihre Schwierigkeiten mit Instrumenten-Playback zu haben, vor allem, wenn sie am Klavier sitzt, wo sie ansonsten auch mal nach Lust und Laune Dinge abwandelt.

Der Power, die die vier Musikerinnen versprühen, soll das jedoch keinen Abbruch tun. „Es ist so viel Energie auf der Bühne, ich hoffe, dass die Menschen es fühlen“, so Drummerin Ihan. Unterstützt wird all das übrigens von Pyrotechnik, wenn man den offiziellen Fotos der ersten Probe glauben darf.

 

LUM!X & Pia Maria (Österreich)

LUM!X & Pia Maria, Eurovision Song Contest 2022

Ein ganz spezielles Bühnenbild hat Österreich in diesem Jahr: DJ LUM!X und Sängerin Pia Maria stehen in einem Kreis aus Lampen, die dem Mini-Probenvideo zufolge ihre Farben wechseln. Und natürlich ist er auch ein gutes Symbol für ihren Songtitel „Halo“.

Einzelheiten aus ihrem Auftritt wollten die beiden beim Meet&Greet mit der Presse im Anschluss noch nicht verraten. LUM!X sprach lieber über den Song, den er als Elektro-Spezialist für den ESC geschrieben hat: „Für Eurovision wollte ich es ein bisschen poppiger machen, aber schon in meinem Style.“ Dass die beiden jungen Künstler*innen erst in diesem Jahr zusammengefunden haben, stört sie gar nicht. Pia Maria: „Es fühlt sich an als würden wir uns schon seit Jahren kennen.“

 

Systur (Island)

Systur, Eurovision Song Contest 2022

Der isländische Auftritt ist in diesem Jahr eine Familienangelegenheit: Wie schon beim Vorentscheid haben die Schwestern Sigga, Beta und Elin, die ihren Namen für den ESC auf Systur verkürzt haben, noch ihren Bruder an den Drums dabei. Ihren Stil beschreiben sie deshalb selbst auch als „Family-Sound“.

„Die Message ist, dass es Hoffnung auf bessere Tage gibt“, sagte Sigga anschließend über ihren Track „Med Haekkandi Sol“. Zudem brachten Systur eine wichtige Botschaft mit zur PK: Alle drei trugen Shirts oder andere Symbole, die auf die Rechte von trans Personen aufmerksam machen sollten. „Wir sind hier für euch, ihr könnt uns immer kontaktieren“, gaben sie diesen mit auf den Weg.

 

Amanda Georgiadi Tenfjord (Griechenland)

Amanda Tenfjord, Eurovision Song Contest 2022

Auf Griechenland lag ein besonderes Augenmerk, denn durch die interne Auswahl von Amanda Georgiadi Tenfjord fehlte ein Vorentscheids-Auftritt zur Orientierung. Jetzt wissen wir: Es wird keine wilde Greenscreen-Fahrt wie im vergangenen Jahr bei Stefania geben. Stattdessen ist Amanda Georgiadi Tenfjord im schlichten weißen Kleid zu sehen. Um sie herum sind kaputte Stühle, die mit der Bühne zu verschmelzen scheinen.

Dieses etwas seltsame Bild mit den Stühlen erklärte die Sängerin der Presse später so: „Sie  symbolisieren etwas, das gerade endet. Mehr sage ich dazu nicht, jeder soll es für sich interpretieren.“ Außerdem war es ihr wichtig zu betonen, dass ihr Song „Die Together“ nicht von einer speziellen Person handelt – „es ist eher ein generelles Gefühl“. Nicht untergehen soll außerdem, dass Amanda Georgiadi Tenfjord gemeinsam mit ihren Kommiliton*innen aus dem Medizinstudium eine Band namens „Flu Fighters“ gegründet hat.

 

Subwoolfer (Norwegen)

Subwoolfer, Eurovision Song Contest 2022

Dass die gelben Wölfe aus Norwegen den Laden in Turin aufmischen würden, dürfte allen schon vorher klar gewesen sein. Ihre Performance zu „Give That Wolf A Banana“ behielt augenscheinlich den charakteristischen Tanz bei, den wir schon aus dem Vorentscheid und aus vielen viralen Videos kennen. Neu ist allerdings, dass DJ Astronaut auf der Bühne über allen anderen schweben darf.

Da die Identität der Bandmitglieder noch immer geheim gehalten wird, ließen sie auf der Pressekonferenz wie gewohnt einen Kollegen aus der norwegischen Delegation für sich sprechen. Was diverse Pressevertreter*innen nicht davon abhielt, zum Teil sehr seltsame Fragen zu stellen. Einer Antwort zufolge haben Keith und Jim, wie sich die beiden Sänger nennen, übrigens auf ihrem Heimatplaneten Mond einst Neil Armstrong getroffen, der ihnen erzählt hat, wie toll der Eurovision Song Contest sei. Na dann!

 

Rosa Linn (Armenien)

Rosa Linn, Eurovision Song Contest 2022

Eine Runde Zettelwirtschaft gefällig? Die armenische Sängerin Rosa Linn hat da mal was vorbereitet. Das Bühnenbild soll ein Schlafzimmer mit Möbeln darstellen – das alles auf einer rotierenden Plattform. Hier dürfen wir also wirklich auf die ersten bewegten Bilder gespannt sein.

„Die Story auf der Bühne passt zu meiner Persönlichkeit“, verriet Rosa Linn dazu. Außerdem soll das Datum „22. Juni“ zu sehen sein, das ihr viel bedeutet. „Ich war sehr down und deprimiert, ich habe viel durchgemacht.“

Da nun alle Acts des ersten Halbfinals einmal auf der großen Bühne gestanden haben, geht es in den kommenden beiden Tagen mit den Künstler*innen aus dem zweiten Halbfinale weiter. Zu ihrer ersten Probe treten morgen The Rasmus (Finnland), Michael Ben David (Israel), Konstrakta (Serbien), Nadir Rustamli (Aserbaidschan), Circus Mircus (Georgien), Emma Muscat (Malta), Achille Lauro (San Marino), Sheldon Riley (Australien) und Andromache (Zypern) an.

Auch diese Proberunde wird für die Presse nicht einsehbar sein. Alle Acts sind aber im Anschluss in Pressekonferenzen zu sehen, denen akkreditierte Medien wie bleistiftrocker.de virtuell beiwohnen können.

Der deutsche ESC-Act Malik Harris („Rockstars“) wird am Donnerstag zum ersten Mal in Turin proben und sich danach den Fragen der Presse stellen. Seine zweite Probe, bei der dann auch wir online zusehen dürfen, findet am Samstag statt.

Das erste Halbfinale des Eurovision Song Contest 2022 steigt am 10. Mai, das zweite Halbfinale zwei Tage später. Am 14. Mai geht es dann im großen Finale um den Sieg.

Alle Songs des diesjährigen ESC kann man hier anhören. Alle Künstler*innen des Jahrgangs haben wir hier aufgelistet.

 

Weitere Informationen zum Eurovision Song Contest 2022

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Podcast „ESC Greenroom“
Alle Artikel auf bleistiftrocker.de

Fotos: EBU / Nathan Reinds

 

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